Was ist eigentlich ein Spiel?

Wenn wir das Leben als Spiel verstehen wollen, ist es hilfreich, uns zunächst damit zu beschäftigen, was ein Spiel eigentlich ist. Hierzu ein Zitat aus der Wikipedia:

Spiel (von althochdeutsch: spil für „Tanzbewegung“) ist eine Tätigkeitsform, Spielen eine Tätigkeit, die zum Vergnügen, zur Entspannung, allein aus Freude an ihrer Ausübung, aber auch als Beruf ausgeführt werden kann (Theaterspiel, Sportspiel, Violinspiel). Es ist eine Beschäftigung, die oft in Gemeinschaft mit anderen vorgenommen wird. Ein Großteil der kognitiven Entwicklung und der Entwicklung von motorischen Fähigkeiten sowie soziale Kompetenz findet durch Spielen statt, beim Menschen ebenso wie bei zahlreichen Tierarten. In der Pädagogik wird das Spiel auch gezielt als Lernmethode eingesetzt. Einem Spiel liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde, aus denen, besonders in Gemeinschaft, verbindliche Regeln hervorgehen können. Die konkreten Handlungsabläufe können sich sowohl aus der Art des Spiels selbst, den Spielregeln (Völkerball, Mensch ärgere Dich nicht) oder aber aus dem Wunsch verschiedener Individuen ergeben, gemeinschaftlich zu handeln (Bau einer Sandburg).

Es gibt eine große Vielfalt von Spielen. Die Anzahl von Spielen ist nicht begrenzt; Spiele können fortwährend neu erfunden werden.

Ich vermute, daß die meisten Menschen bei dem Wort „Spiel“ zunächst einmal an eine vergnügliche Tätigkeit denken. An eine Aktion, die in erster Linie Spaß macht oder zumindest machen sollte. Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir aber, daß es unzählige Spiele gibt, bei denen der Spaß nicht an erster Stelle steht. Allen voran, das beliebteste Spiel der Welt, der Fußball. Sicherlich gibt es viele Menschen auf der Welt, die Fußball spielen, weil es ihnen Spaß macht. Aber im Profilager, als bei den Menschen, die mittels dieses Spiels ihren Lebensunterhalt verdienen, scheint mir das nicht mehr der wichtigste Beweggrund zu sein. Wenn ich eine Europa- oder gar Weltmeisterschaft im Fußball anschaue, so sehe ich keine Spieler, die lachen, scherzen, fröhlich sind oder auch nur Unbeschwertheit oder Freude zeigen. Diese Profispieler, die besten der Welt, nehmen das Spiel ungeheuer ernst. Das gleiche gilt für das Publikum: Selten klopfen die Anhänger der unterlegenen Mannschaft den Fans der Sieger auf die Schultern, umarmen sie oder gratulieren zu dem gewonnenen Spiel. Freude und Ausgelassenheit sehe ich meistens nur auf Seite der Sieger.

Offensichtlich ist „Spaß“ keinesfalls der wichtigste Bestandteil eines Spiels. Und daher auch kein Kriterium, um zu erkennen, ob es sich bei einer Aktion um ein Spiel handelt oder nicht. Bei dem hier als Beispiel angeführten Fußballspiel scheint vielmehr der Wettbewerb im Vordergrund zu stehen. Wichtiger als der Spaß beim Spielen ist das Gewinnen des Spiels. Dies gilt um so stärker, je professioneller das Spiel gespielt wird.

Dieses Phänomen ist nicht nur im Sport beobachtbar. Auch bei vielen Gesellschaftsspielen, die ja wirklich in erster Linie zum Spaß gespielt werden (sollten), können wir häufig beobachten, daß der Wettbewerb, das Gewinnen oder Verlieren eines Spiels wichtiger wird, als der Spaß und die Freude am Spielen. Selbst bei kleinen Kindern kommt es immer wieder zu teilweise sehr handfesten Streitigkeiten und Auseinandersetzungen, die mit großem Ernst geführt werden können. Anstatt miteinander zu spielen, spielen die Kinder gegeneinander. Selbst wenn für jedes das gleiche Spielzeug vorhanden ist, wollen sie jeweils das des anderen haben und versuchen es ihm wegzunehmen – sie erzeugen eine Situation, in der einer gewinnt während der andere verliert. Es geht dabei offensichtlich meistens nicht um das Spielzeug, oft genug spielen sie damit gar nicht. Das „Wegnehmen“ scheint hier das wirkliche Spiel zu sein.

Wie sieht es jetzt bei uns im Leben aus? Haben Sie in Ihrem Leben solche Situationen schon erlebt, in denen es Ihnen oder den anderen vor allem darum geht besser zu sein? In der Familie? Im Beruf? Bei Freunden? Situationen in denen es eigentlich allen gut gehen könnte, aber unbegreiflicherweise kommt es doch ganz schnell (wieder) zu Streitigkeiten?

Ich möchte jetzt nicht aussagen, daß Spiele in Wirklichkeit immer auf Wettbewerb beruhen. Das tun sie nicht. Es gibt Spiele, in denen es um Wettbewerb geht. Und es gibt jede Menge anderer Spiele. In manchen geht es um Forschung und Erfahrung. In anderen um Spannung und Aufregung. In anderen darum, gemeinsam etwas zu erschaffen, was Anderen nützt. Andere Spiele sind überwiegend darauf ausgerichtet, einen bestimmten Gewinn zu erhalten. Und es gibt noch viel mehr Spiele und vor allem gibt es beliebige Kombinationen von Spielen.

Falls ein eigentlich anders gedachtes Spiel in einem Wettbewerb endet, dann ist das schon ein Zeichen, daß an dem Spiel etwas nicht in Ordnung ist. Um das besser zu verstehen, müssen uns damit beschäftigen, wie man ein (gutes) Spiel aufbaut und was seine Komponenten sind. Dazu schreibe ich mehr in den nächsten Beiträgen…

 

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