Übersicht: Elemente eines Spiels

Ich werde im Folgenden alle wichtigen Spielelemente auflisten. Zunächst ist diese Liste noch unvollständig, da nicht alle Elemente eines Spiels ohne Erläuterung verständlich sind. Stück für Stück werde ich weitere Elemente ergänzen. Ich werde jedes der Elemente im Detail und mit Beispielen erläutern und dabei immer wieder auf die Frage eingehen, ob wir das entsprechende Element in unserem Leben finden können und wenn ja, wie es dort aussieht.

Elemente eines Spiels:

  • Freiheiten
  • Barrieren / Hindernisse
  • Ziele
  • Gegner
  • Spielfeld
  • Spielregeln
  • Mitspieler

weitere Elemente folgen…

Was braucht es für ein (gutes) Spiel?

Was macht eigentlich ein Spiel aus?

Stellen Sie sich mal vor, wir wollten ein neues Spiel erfinden. Was müssen wir dabei beachten? Vielleicht haben Sie ja mal Lust, sich erstmal selber eine Liste zu erstellen. Stellen Sie sich doch mal vor, Sie würden ein neues Brettspiel erfinden. Oder eine neue Mannschaftssportart. Was würden Sie dafür alles brauchen?

Spieler beim Spielen
Spieler beim Spielen

Es gibt eine Reihe von Elementen, die ein (gutes) Spiel enthalten muß, um interessant zu sein. Ein paar davon sind ziemlich logisch. So braucht es ein Spielfeld bzw. Spielbrett, Spielregeln und Spielfiguren bzw. Mitspieler. Wenn wir an ein Brettspiel oder ein sportliches Ereignis denken, brauchen wir auch noch eine klare Definition wann das Spiel vorbei ist und wer es gewonnen hat. Hier wird es schon wieder spannend, denn im Lebensspiel haben wir sowas ja nicht, oder?

Fallen Ihnen noch weitere Elemente ein, die für ein Spiel wichtig sind? Falls nein, dürfen Sie selbstverständlich auf meiner Liste spicken.

Wert der Spielelemente

Ganz ehrlich: Würden Sie freiwillig ein Spiel spielen, wenn Sie gar nicht wissen, wie es funktioniert? Ich nur ungern. Und trotzdem sind wir alle hier auf der Erde und die meisten von uns stellen sich die Frage, was hier eigentlich los ist.

Die Elemente eines Spiels zu kennen ist interessant. Aber vor allem ist es wichtig: Wenn wir ein Spiel spielen und seine elementaren Regeln nicht kennen, dann können wir nicht gut darin sein. Stellen Sie sich vor, Sie wollen Fußball spielen und bringen Ihren eigenen Ball mit, weil Sie glauben, daß das Spiel besser funktioniert, wenn jeder einen Ball hat. Eh Sie sich versehen, haben die anderen Spieler Ihnen – mehr oder weniger freundlich – klargemacht, daß es so nicht geht. Dann haben Sie entweder die Möglichkeit sich anzupassen oder sie werden aus dem Spiel ausgeschlossen.

Wie ist es aber in ihrem Leben? Ist es Ihnen schon mal passiert, daß Sie ein Spiel mitspielen, aber gar keine Ahnung davon haben, wie es funktioniert und welche Regeln dabei gelten? Kennen Sie die Regeln, nach denen Ihre Firma funktioniert? Wissen Sie, was Sie alles berücksichtigen müssen, um eine gut funktionierende Ehe / Partnerschaft leben zu können? Ist Ihnen klar, nach welchen Regeln Macht, Einfluß oder Geld verteilt werden? Oder haben Sie manchmal den Eindruck, daß es Menschen gibt, die Ihnen gegenüber im Vorteil sind, weil sie etwas wissen, das Ihnen nicht bekannt ist?

Derzeit habe ich nicht vor, in diesem Blog im Detail darüber reden, wie Spiele in Partnerschaft, Arbeit, Politik und Wirtschaft im Einzelnen funktionieren. Für jeden dieser Bereiche gibt es unzählige Ratgeber, die sehr viele Informationen liefern können. Aber allein die Tatsache, daß es so viele Ratgeber gibt, ist doch ein guter Hinweis darauf, daß keinesfalls jeder Mensch über jedes Spiel in dem er mitspielt gut informiert ist. Nur: wie unterscheiden wir gute von schlechten Informationen? Brauchbare von Nutzlosen? Dies wird einfacher, wenn wir wissen, welche Elemente überhaupt ein gutes Spiel ausmachen.

Wenn Sie sich meine Liste anschauen, werden Sie schnell feststellen, daß es die eine oder andere Überraschung gibt. Neben den Spielelementen, die eigentlich jedem klar sind, gibt es andere, die häufig gar nicht bekannt sind. Vielleicht weil sie versteckt sind, vielleicht auch, weil sie einfach ganz fehlen.

Das Fehlen von wichtigen Elementen verzerrt ein Spiel. In erster Linie führt es dazu, daß das Spiel kein „gutes“ Spiel ist. Häufig macht es einfach keinen Spaß. Im Extremfall kann es gar nicht wirklich gespielt werden oder es ist nicht möglich, das Spiel zu gewinnen.

In Bezug auf das Lebensspiel ist das natürlich essentiell. Hier kommen wir direkt wieder zu den grundlegenden Fragen des Lebens. Wenn wir ein Spiel spielen, aber nicht wissen, wie es sich zusammensetzt, was darin wichtig ist und welche Regeln gelten, dann ist es schwer, sogar sehr schwer damit Erfolg zu haben. Das Spiel – oder in diesem Fall das Leben – wird mühsam, anstrengend und verwirrend. Es ist nicht klar, was wir tun müssen, um eine gutes Spiel, ein gutes Leben zu haben, also um Freude, Spaß und Glück zu erleben. Wir treffen Entscheidungen, ohne überhaupt zu wissen wohin diese führen und ob wir damit das erreichen, was wir wirklich wollen. Oft verrennen wir uns in Irrtümern und Ideen, nur um nach langen Jahren mühsamen Ausprobierens zu erkennen, daß wir auf dem Holzweg waren. Wenn es uns gelingt daraus zu lernen, gut. Wenn nicht, dann sind wir nur noch frustrierter.

Ich kenne und sehe viele Menschen, die gerne ein besseres Leben hätten. Manche meinen damit nur, daß sie mehr Geld verdienen möchten. Den meisten geht es aber darum, ein Leben zu führen, das sie erfüllt. In dem sie ihre Ziele verstehen und sogar erreichen können. In dem sie lernen, neue Erfahrungen sammeln und auch noch Freude am Leben haben können.

Ich biete hier nicht eine Lösung oder ein Allheilmittel für alle Probleme des Lebens. Aber ich habe ein paar Ideen über Spiele und wie sie zusammengesetzt sind. Und – wie Sie dann selber sehen werden – es ist möglich, diese Ideen auf das Leben als ganzes anzuwenden und es dadurch ein bisschen besser zu verstehen. Als erstes brauchen wir dazu einen Überblick über die Elemente eines Spiels.

Was ist eigentlich ein Spiel?

Wenn wir das Leben als Spiel verstehen wollen, ist es hilfreich, uns zunächst damit zu beschäftigen, was ein Spiel eigentlich ist. Hierzu ein Zitat aus der Wikipedia:

Spiel (von althochdeutsch: spil für „Tanzbewegung“) ist eine Tätigkeitsform, Spielen eine Tätigkeit, die zum Vergnügen, zur Entspannung, allein aus Freude an ihrer Ausübung, aber auch als Beruf ausgeführt werden kann (Theaterspiel, Sportspiel, Violinspiel). Es ist eine Beschäftigung, die oft in Gemeinschaft mit anderen vorgenommen wird. Ein Großteil der kognitiven Entwicklung und der Entwicklung von motorischen Fähigkeiten sowie soziale Kompetenz findet durch Spielen statt, beim Menschen ebenso wie bei zahlreichen Tierarten. In der Pädagogik wird das Spiel auch gezielt als Lernmethode eingesetzt. Einem Spiel liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde, aus denen, besonders in Gemeinschaft, verbindliche Regeln hervorgehen können. Die konkreten Handlungsabläufe können sich sowohl aus der Art des Spiels selbst, den Spielregeln (Völkerball, Mensch ärgere Dich nicht) oder aber aus dem Wunsch verschiedener Individuen ergeben, gemeinschaftlich zu handeln (Bau einer Sandburg).

Es gibt eine große Vielfalt von Spielen. Die Anzahl von Spielen ist nicht begrenzt; Spiele können fortwährend neu erfunden werden.

Ich vermute, daß die meisten Menschen bei dem Wort „Spiel“ zunächst einmal an eine vergnügliche Tätigkeit denken. An eine Aktion, die in erster Linie Spaß macht oder zumindest machen sollte. Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir aber, daß es unzählige Spiele gibt, bei denen der Spaß nicht an erster Stelle steht. Allen voran, das beliebteste Spiel der Welt, der Fußball. Sicherlich gibt es viele Menschen auf der Welt, die Fußball spielen, weil es ihnen Spaß macht. Aber im Profilager, als bei den Menschen, die mittels dieses Spiels ihren Lebensunterhalt verdienen, scheint mir das nicht mehr der wichtigste Beweggrund zu sein. Wenn ich eine Europa- oder gar Weltmeisterschaft im Fußball anschaue, so sehe ich keine Spieler, die lachen, scherzen, fröhlich sind oder auch nur Unbeschwertheit oder Freude zeigen. Diese Profispieler, die besten der Welt, nehmen das Spiel ungeheuer ernst. Das gleiche gilt für das Publikum: Selten klopfen die Anhänger der unterlegenen Mannschaft den Fans der Sieger auf die Schultern, umarmen sie oder gratulieren zu dem gewonnenen Spiel. Freude und Ausgelassenheit sehe ich meistens nur auf Seite der Sieger.

Offensichtlich ist „Spaß“ keinesfalls der wichtigste Bestandteil eines Spiels. Und daher auch kein Kriterium, um zu erkennen, ob es sich bei einer Aktion um ein Spiel handelt oder nicht. Bei dem hier als Beispiel angeführten Fußballspiel scheint vielmehr der Wettbewerb im Vordergrund zu stehen. Wichtiger als der Spaß beim Spielen ist das Gewinnen des Spiels. Dies gilt um so stärker, je professioneller das Spiel gespielt wird.

Dieses Phänomen ist nicht nur im Sport beobachtbar. Auch bei vielen Gesellschaftsspielen, die ja wirklich in erster Linie zum Spaß gespielt werden (sollten), können wir häufig beobachten, daß der Wettbewerb, das Gewinnen oder Verlieren eines Spiels wichtiger wird, als der Spaß und die Freude am Spielen. Selbst bei kleinen Kindern kommt es immer wieder zu teilweise sehr handfesten Streitigkeiten und Auseinandersetzungen, die mit großem Ernst geführt werden können. Anstatt miteinander zu spielen, spielen die Kinder gegeneinander. Selbst wenn für jedes das gleiche Spielzeug vorhanden ist, wollen sie jeweils das des anderen haben und versuchen es ihm wegzunehmen – sie erzeugen eine Situation, in der einer gewinnt während der andere verliert. Es geht dabei offensichtlich meistens nicht um das Spielzeug, oft genug spielen sie damit gar nicht. Das „Wegnehmen“ scheint hier das wirkliche Spiel zu sein.

Wie sieht es jetzt bei uns im Leben aus? Haben Sie in Ihrem Leben solche Situationen schon erlebt, in denen es Ihnen oder den anderen vor allem darum geht besser zu sein? In der Familie? Im Beruf? Bei Freunden? Situationen in denen es eigentlich allen gut gehen könnte, aber unbegreiflicherweise kommt es doch ganz schnell (wieder) zu Streitigkeiten?

Ich möchte jetzt nicht aussagen, daß Spiele in Wirklichkeit immer auf Wettbewerb beruhen. Das tun sie nicht. Es gibt Spiele, in denen es um Wettbewerb geht. Und es gibt jede Menge anderer Spiele. In manchen geht es um Forschung und Erfahrung. In anderen um Spannung und Aufregung. In anderen darum, gemeinsam etwas zu erschaffen, was Anderen nützt. Andere Spiele sind überwiegend darauf ausgerichtet, einen bestimmten Gewinn zu erhalten. Und es gibt noch viel mehr Spiele und vor allem gibt es beliebige Kombinationen von Spielen.

Falls ein eigentlich anders gedachtes Spiel in einem Wettbewerb endet, dann ist das schon ein Zeichen, daß an dem Spiel etwas nicht in Ordnung ist. Um das besser zu verstehen, müssen uns damit beschäftigen, wie man ein (gutes) Spiel aufbaut und was seine Komponenten sind. Dazu schreibe ich mehr in den nächsten Beiträgen…

 

Das Leben als Spiel?

Das Leben als Spiel zu betrachten, ist meiner Meinung nach eine ziemlich gute Idee. Vielleicht mögen Sie sich, bevor Sie weiterlesen, auch einmal Gedanken darüber machen, was diese Idee für Sie persönlich bedeuten würde…

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Im Leben spielen

Was mich selbst angeht: Ich gehe ein Spiel – häufig – gelassener an. Im Gegensatz zu „dem Ernst des Lebens“ sind im Spiel viel mehr Freiheiten erlaubt. Wenn ich meiner kleinen Tochter beim Spielen zuschaue, dann sehe ich, daß sie vieles „einfach so“ macht. Sie probiert, tut, macht, schaut. Sie verdreht Dinge und verwendet sie ganz anders, als sie gedacht sind. Sie erwartet häufig kein bestimmtes Ergebnis. Manchmal schon. Dann ist sie auch enttäuscht, wenn es nicht funktioniert. Aber das dauert nie lange. Schnell überlegt sie sich was Anderes, was sie spielen kann.

Wenn ich mein Leben zu ernst nehme, geht mir all diese Leichtigkeit, dieses spielerische, das unlogische, verrückte verloren. Mit ernsten Sachen spielt „man“ nun mal nicht. Oder so wurde es mir wenigstens beigebracht. Warum eigentlich nicht?

Nun, da ist natürlich die Angst, zu scheitern. Wenn das Leben ein Spiel ist, dann darf ich scheitern. Wenn mein Töchterchen einen Turm baut, dann darf er umfallen. Manchmal hat sie unglaublich viel Freude daran. Manchmal ist sie sehr enttäuscht. Manchmal ist es ihr egal. In jedem Fall erlebt sie etwas, erfährt und lernt etwas durch ihr tun. Was sie nie tut ist, sich selber abzuwerten, wenn ihr etwas mißlingt. Sie kommt nie auf die Idee, daß an ihr etwas falsch ist, nur weil ihr Spielzeug nicht tut was sie will. Sie ist traurig, wütend, ärgerlich, freudig, macht viel quatsch und ändert permanent ihre Meinung. Aber sich selber macht sie nicht schlecht.

Das finde ich eine sehr gute Idee. Zu viele Menschen sind der Meinung, daß sie nur so gut sind, wie die Ergebnisse, die sie produzieren. Ich kenne eine Menge Leute die sich selbst schlecht machen, wenn ihnen mal etwas mißlingt. Wenn etwas das sie tun, nicht so wird, wie sie es sich vorstellen. Oder noch schlimmer: Wenn etwas das sie tun, nicht so wird, wie sie glauben, daß andere es erwarten. Puh! Das macht das Leben sehr anstrengend!

Wenn das Leben ein Spiel wäre, dann wäre das ja ziemlicher Unfug. Weil ein Spiel ja an sich schon die Idee enthält, daß vorher nicht komplett klar ist, wie es ausgehen wird. Oder würden Sie bei einer Fußball-WM zugucken, wenn vorher schon genau bekanntgegeben wird, welche Mannschaften welche Spiele gewinnen werden und wer in welcher Minute welches Tor schießen wird? Ich würde mich sehr schnell langweilen.

Ein Spiel enthält viele Zufallselemente. Wenn ich spiele, dann weiß ich nicht genau, was vorher passieren wird. Es ist auch oft nicht klar, was der beste Weg ist. Das Leben als Spiel zu sehen, gibt mir die Freiheit, nicht immer nur den einen „richtigen“ Weg finden zu müssen. Ich kann Abzweigungen nehmen, Umwege laufen und einfach mal etwas machen, nur weil es mich interessiert, auch wenn es mich gar nicht voranbringt.

Ach ja, „voranbringen“. Das ist ein gutes Stichwort. Wenn mich etwas „voranbringt“ bedeutet das ja schon, daß vorherbestimmt ist, wo mein Handeln mich hinführen soll. Viele Menschen betrachten ihr Berufsleben so: Sie überlegen – teilweise schon während der Schulzeit – wo sie beruflich hinwollen. Daran ist natürlich nichts verkehrt. Problematisch wird es nur dann, wenn sie sich eine Richtung aussuchen, die ihnen gar keinen Spaß macht. Ich habe das ein- oder zweimal probiert: Einen Job zu machen, der mir keinen Spaß macht, nur um viel Geld zu verdienen. Hat überhaupt nicht funktioniert. Seitdem habe ich das sein gelassen und mich viel mehr daran orientiert, was mich interessiert und was ich spannend finde. Tatsächlich ist es mir damit – zeitweise – auch gelungen, ziemlich viel Geld zu verdienen. Zu anderen Zeiten allerding gibt es auch gar kein Geld.

Freiwillig Leben

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich, daß ich in einem Spiel ja freiwillig mitmache. Das ist ein besonders spannender Gedanke: Wie wäre es, wenn ich nicht aus Versehen hier auf der Welt wäre, sondern mit Absicht und weil ich es so will? Niemand hat mich hierhergeschickt. Ich habe keine Lebensaufgabe, die mir jemand anderes gegeben hat (allerdings habe ich mir vielleicht selber eine ausgesucht). Kein höheres Wesen, kein Schicksal, kein Universum, keine Quantenphysik oder zufällige Teilchenfluktuationen nach dem Urknall führen mich hier in dieses Universum, halten mich fest und geben mir die Richtung vor.
Sondern ich bin hier, weil ich hier mitspielen will!

Hui, das ist eine sehr große und sehr grundlegende Idee. Ich weiß nicht, ob Sie Ihnen gefällt. Mich hat sie erstmal schwindelig gemacht. Was würde das dann bedeuten?

Wenn ich freiwillig hier bin, bedeutet das als erstes Mal, daß ich es mir auch anders überlegen könnte. Das heißt für mich, daß ich das Recht habe, dieses Spiel wieder zu verlassen, wenn es mir nicht gefällt. Es gäbe also keinen Mechanismus und kein anderes (höheres?) Wesen, das mich dazu zwingen würde, hier zu bleiben.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich sage damit nicht aus, daß es überhaupt keine Mechanismen oder Regeln hier im Spiel gibt. Und ich sage auch nicht aus, ob es höhere Wesen gibt oder nicht. Ich sage nur, daß ich nicht gezwungen werde, hier im Spiel zu bleiben. So wie meine Tochter sich nicht dazu gezwungen fühlt, solange mit ihren Bauklötzchen zu spielen, bis ein fertiger Turm da steht. Sie ist der Meinung, daß sie

  1. jederzeit entscheiden kann, daß sie mit den Klötzchen etwas Anderes baut als einen Turm,
  2. und daß sie auch einfach aufhören kann mit den Bauklötzchen zu spielen. Und zwar, wann immer es ihr beliebt.

Können Sie sich vorstellen, daß das für das gesamte Leben auch so gelten könnte?

Natürlich hat es Konsequenzen, wenn wir etwas anfangen und es nicht zu Ende bringen. Im Beispiel meiner Tochter ist die Konsequenz, daß entweder ich oder meine Frau irgendwann ankommen und ihr sagen, daß sie doch mal die Bauklötzchen aufräumen soll. Es kann sein, daß sie darauf eingeht. Es kann auch sein, daß sie sie einfach liegenläßt. Dann gibt es oft weitere Konsequenzen. Zum Beispiel die, daß wir als ihre Mitspieler keine Lust haben, ihre Bauklötzchen für sie wegzuräumen. Und ihr beim nächsten Mal sagen: „Nö, wir geben die keine Bauklötzchen. Oder nur, wenn Du sie auch selber wegräumst.“

Im Leben geht es mir auch so: Ich habe die Freiheit ein Spiel anzufangen und auch jederzeit damit aufzuhören. Aber es kann mir passieren, daß andere meine Handlungen nicht mögen. Wenn ich ein neues Projekt beginne und zwischendurch meinen Mitarbeitern sage, daß ich jetzt keine Lust mehr habe, dann werden sie davon wohl wenig begeistert sein. Und vielleicht machen sie bei meinem nächsten Projekt nicht mehr mit. Vielleicht aber doch: Wenn ich ihnen einen Grund nennen kann, den sie gut nachvollziehen können. Oder wenn ich ihnen die Möglichkeit gebe, das Projekt auch ohne mich weiterzumachen.

Selbstbestimmtes Leben

Wenn das Leben ein Spiel ist, und ich freiwillig hier wäre, dann würde das auch bedeuten, daß ich für meine Handlungen und für deren Konsequenzen selber verantwortlich wäre. Nach dem Motto: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück!“ hat mein Handeln einen sehr großen Einfluß darauf, was mir im Leben begegnet und wie andere mit mir umgehen. Wie die Situation mit den Bauklötzen meiner Tochter: Je nachdem, wie sie mit uns – ihren Mitbewohnern und damit Mitspielern – umgeht, macht sie sich das Leben leichter und einfacher oder sie erzeugt Wiederstand, Ablehnung und (Gegen-)Druck.

So geht es mir auch: In manchen Situationen gelingt es mir, gut auf die Menschen, denen ich begegne und ihre Bedürfnisse und Wünsche einzugehen. Ich kann sie als Menschen sehen und mit ihren Eigenheiten respektieren. Wenn mir das gelingt, begegnet mir viel Offenheit und Interesse. Zu anderen Zeiten bin ich sehr mit meinen eigenen Ideen und Notwendigkeiten beschäftigt und nehme die anderen kaum oder nur am Rande war. Oder es wird noch extremer und ich schaue mir die anderen Menschen nur noch nach dem Kriterium an: „Geben sie mir was ich brauche oder nicht?“ Wenn ich das tue, fühlen sie sich – komischerweise 😉 – nicht wertgeschätzt und sind auch wesentlich weniger offen und interessiert an mir.

Was ich tue und wie ich mit anderen umgehe hat einen immens großen Einfluß darauf, wie mir andere begegnen und wie weit sie bereit sind, mir zu helfen und mich mit meinen Ideen, Wünschen und Zielen zu unterstützen. Natürlich ist die Welt aber nicht so einfach: Es ist nicht so, daß ich nur zu allen anderen Leuten freundlich sein muß und schon sind alle freundlich zu mir und überschlagen sich bei dem Versuch, mir zu helfen (obwohl es schon in diese Richtung geht). Die anderen Leute haben ja auch ihre Wünsche, Bedürfnisse und Notwendigkeiten und manche davon interessieren mich überhaupt nicht:

Wenn zum Beispiel jemand vorhat, ein großes Atomkraftwerk zu errichten, dann wird er von mir keine Unterstützung dafür bekommen, selbst wenn er extrem freundlich und offen erklärt, warum er das für richtig hält. Ich halte das Vorhaben für falsch und damit bin ich automatisch sein Gegner (zu Gegnern wird es in einem späteren Beitrag mehr Informationen geben). Aber ich brauche mich nicht wundern, daß er mich als Gegner betrachtet, wenn ich sein Vorhaben ablehne. Es sind meine Entscheidungen, die dazu führen, ob Menschen meine Freunde oder meine Gegner sind und ich brauche nicht anderen „die Schuld“ dafür geben.

Wenn mein Leben ein Spiel ist, führen meine Handlungen und meine Ziele dazu, wie mir die anderen begegnen. Ich bin nicht dem ausgeliefert, was da ist oder wie „jemand drauf“ ist. Ich kann etwas verändern. Ich könnte meine Meinung ändern und den Atomkraftwerkbauer in Spe unterstützen. Dann würde ich ihn – vielleicht – als Freund gewinnen. Und viele andere Leute als Gegner, mit denen ich vorher befreundet war. Ich kann mit meinen Nachbarn freundlich und interessiert reden und bei den meisten wird sich daraus eine gute Nachbarschaft und vielleicht sogar eine Freundschaft entwickeln. Aber nicht bei allen. Manche wollen das nicht. Dann kann ich sie damit sein lassen oder sie bekämpfen. Mein Handeln wird sich auf die Welt auswirken und die Welt auf mein Handeln. Aber es liegt in meiner Hand, wie ich damit umgehe und was ich tue.

Das Leben als Spiel zu sehen macht mich
– selbstbestimmter: Ich muß nicht anderen die Verantwortung geben
– ich darf Fehler machen, muß nicht „den richtigen Weg“ finden

– freier: Ich kann tun was ich will. Natürlich muß ich die Konsequenzen tragen
– toleranter gegenüber mir selbst und anderen
Das Leben macht mehr Spaß

Warum „Lebensspiele“?

Liebe Leser,

in diesem Blog möchte ich über Lebensspiele reden. Wahrscheinlich fragen Sie sich: Was ist damit gemeint? Warum verbinde ich überhaupt die beiden Begriffe „Leben“ und „Spiele“?

Viele Menschen sind der Meinung, daß das Leben eine sehr ernste Angelegenheit ist. Daß es mit viel Anstrengung und Mühe verbunden ist, daß es wichtig ist, das eigene Leben gut zu planen und „auf Nummer sicher“ zu gehen. Und sie nehmen dabei in Kauf, daß ihnen ihr Leben wenig oder keinen Spaß macht.

Tatsächlich haben sie in vieler Hinsicht recht: Wenn wir uns auf der Welt umschauen, stellen wir fest, daß es sehr viele Probleme gibt, die gar nicht ernst genug genommen werden können: Kriege, die großes Elend auslösen und Millionen von Menschen auf die Flucht treiben, die Zerstörung unserer Umwelt und damit unserer Lebensgrundlage, Wirtschaftliche Probleme, wie die Eurokriese, die viele Millionen Menschen auf der Welt in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, und tausende mehr. Vieles ist nicht gut auf der Welt, und es ist offensichtlich, daß dringend Abhilfe geschaffen werden muß.

Jedoch ist es so, daß ein Spiel zwar Spaß machen und gleichzeitig mit einem großen Ernst vorangetrieben werden kann. Wenn Sie mal Schachspieler beobachten oder Profisportler, so werden Sie vermutlich zustimmen, daß Spiel und Ernst keinesfalls notwendigerweise Gegensätze sein müssen. Allerdings sollte ein Spiel zwei wesentliche Kriterien erfüllen: Es sollte tatsächlich „spielerisch“ sein. Also eine Leichtigkeit, die die Spieler trägt und ihnen einen Grund gibt, weiterzumachen. Und es sollte Spaß machen.

Im Leben vieler Menschen scheint es genau an diesen beiden Qualitäten zu fehlen. Es scheint viel mehr Menschen auf der Welt zu geben, die ihr Leben als anstrengend und mühsam empfinden, als solche, die es mit Freude und Leichtigkeit leben.

Woran liegt das?

Ich möchte Sie in diesem Blog auf eine Reise mitnehmen. Auf eine Gedankenspielerei: Ich möchte mit Ihnen die Welt anschauen, als ob das Leben wirklich ein Spiel wäre. Und dabei wollen wir auch schauen, ob es uns gelingt, zu verstehen, warum so vieles auf dieser Welt und – wahrscheinlich – auch in Ihrem Leben, so aussieht, als wäre es gar kein Spiel. Oder ein sehr schlechtes.

Wie sieht es aus? Spielen Sie mit?